Sole-Gradierwerk

Gradierwerke dienten ursprünglich dazu, Solequellen mit niedrigem Salzgehalt gewinnbringender zu nutzen. Diese Idee stammt aus Italien, wo man Sole über Gestelle mit Schilf hinabrieseln ließ. Sonne und Wind sorgten auf der großen Oberfläche des Schilfrohres dafür, daß ein Teil des Wassers verdunstet und damit die Sole konzentrierter und für die Salzgewinnung wertvoller wurde.  In deutschen Gradierwerken wurde anstelle von Schilf meist das Geäst von Schwarzdorn verwendet. In Bad Karlshafen standen zwei große Gradierwerke an den Hängen des Reinhardswaldes, die mit der Auflösung des Salzwerkes im Jahr 1835 aufgegeben wurden.

Das 1986 neu errichtete Gradierwerk an der Kurpromenade dient ausschließlich medizinischen Zwecken. Bei der Berieselung der Schwarzdornhecke im Gradiergestell kristalliert immer festes Salz aus. Dieses Salz kommt in Form kleinster Kristalle in die Luft und wird vom Besucher eingeatmet. Die Aerosole dringen in die Atemwege ein und bewirken dort die Reinigung und die vermehrte Durchblutung der Schleimhaut. Das Gradierwerk erfüllt damit auf wesentlich freundlichere Art das gleiche, was eine Mund-, Nasen- oder Rauminhalation im Kurzentrum bewirkt.

Das 30 Meter lange und acht Meter hohe Gradierwerk enthält 2.000 Bündel Schwarzdorn in einer Länge von zwei Metern und einem Durchmesser von ca. 30 Zentimetern. Über die 480 Quadratmeter Schichtung zerstäubt die Sole, verleiht der Luft einen hohen Feuchtigkeitsgrad und reichert sie mit Salzteilchen an.